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Mit gutem Gefühl in die Sommerpause

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Was bleibt nach drei langen Wettkampftagen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm? Natürlich die beiden Titel von Gregor Traber und Annika Frank, aber auch in der Breite präsentierten sich die LAV-Starter so stark wie selten. Ein Rückblick auf das Wochenende, von Baur bis Traber.

Eva Baur, Jugend A, musste bei elf Grad innerhalb von drei Stunden drei Mal auf die Bahn, auf der ein breiter Regenfilm lag. Nach ihrem letzten Lauf, dem Finale über 100 Meter, war sie „total happy“, mit 12,18 Sekunden und Platz sechs hatten weder Baur noch Trainer Sebastian Marcard gerechnet. Auch über die 100 Meter Hürden ging Baurs Wunsch (ein Finalplatz) in Erfüllung, auf dem Weg zu Platz sechs in 14,18 Sekunden legte die A-Jugendliche im Zwischenlauf in 14,06 Sekunden sogar noch eine persönliche Bestmarke drauf. Nur der letzte Wunsch – eine 13 vor dem Komma – blieb nach sechs Läufen innerhalb von zwei Tagen unerfüllt.

Stefan Braun, Jugend B, hatte bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft keine leichte Aufgabe zu bewältigen: Der Kugelstoßring war rutschig, während der ersten drei Versuche regnete es pausenlos. Braun kam mit 16,07 Meter und Platz 13 trotzdem in die Nähe seiner Bestleistung, für drei weitere Versuche nach dem Vorkampf reichte das aber nicht. „Über 17 Meter für den Endkampf wären auch zu viel verlangt gewesen“, sagte Trainer Veit Rauscher, der seinem Athleten dennoch ein gutes Abschlusszeugnis für die Saison ausstellte.

Corinna Coenning, Jugend A, ist nach dreimonatiger Trainingspause noch immer nicht bei vollen Kräften. Ein Syndesmosebandabriss, die Verletzung, die auch Fußballer Michael Ballack im Sommer einen längeren Urlaub verschafft hatte, war ihr zum Verhängnis geworden. Doch während Ballack seine Fitness erst wieder unter Beweis stellen muss, flitzt Coenning schon wieder über die Tartanbahn, und das sehr erfolgreich. Die Siebenkämpferin sicherte sich in Ulm das zehnte und letzte Ticket für das 800-Meter-Finale, dort überzeugte sie mit Saisonbestleistung von 2:14,41 Minuten und Platz acht. Coenning war darüber natürlich „sehr glücklich“, Trainer Sebastian Marcard befand, eine so tolle Leistung sei nicht hoch genug zu würdigen. Bis Ende August dürfte Coennings ihren Trainingsrückstand fast aufgeholt haben, dann winkt sogar der Deutsche Meistertitel mit der Siebenkampf-Mannschaft.

Annika Frank, Jugend A, ist jetzt sogar in Kanada bekannt, zumindest ein bisschen. Annika Franks Vater weilt derzeit in Kanada, und weil ein österreichischer Anbieter erstmals hochauflösende Livebilder von einer Deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaft im Internet verbreitete, erlebte ihr Vater das Meisterstück seiner Tochter hautnah am Rechner. Auch vor Ort in Ulm hatten sich Familie, Freunde und Trainingspartner eingefunden, die letzten 50 Meter, die Frank mit deutlichem Vorsprung in Angriff nahm, gerieten zum Schaulaufen vor familiärer Kulisse. „Das war einfach nur toll“, freute sich Frank über den Titel und die Unterstützung.

So richtig genießen wollte Frank kurz vor Rennende dann aber doch nicht, erst nach dem Zieleinlauf in 9:55,19 Minuten nahm sie den Fuß vom Gas. Mit Jannika John saß ihr bis 250 Meter vor Schluss eine 1500-Meter-Expertin mit Spurtqualitäten im Nacken, „da hatte ich schon Bedenken, ich bin ja eigentlich keine Sprinterin“, sagte Frank. Andererseits hat die 18-Jährige nach diversen zweiten und dritten Plätzen bei Meisterschaftsrennen gelernt, eine Attacke so zu setzen, dass die Gegner nicht mehr reagieren können. In Ulm wartete Frank lange, verfiel nicht in Hektik, als das Feld den ersten Kilometer verbummelte und hielt auch Kontakt zur Spitze, als die Tachonadel nach oben kletterte. Die höchste Endgeschwindigkeit sollte ihr am Ende vorbehalten sein.

Eike Haumann, Jugend A, war am Mittwoch noch in eine Scherbe getreten. Am Wochenende wagte er dennoch einen Doppelstart über die 3000 und 5000 Meter, am Ende sollte sein Mut belohnt werden. Über die 5000 Meter belegte er nach moderatem Rennbeginn Rang elf in 15:42,07 Minuten, der Fuß hatte gehalten. Über die 3000 Meter waren die besten Läufer ebenfalls schnell enteilt,  Haumann setzte sich aber mutig in der Verfolgergruppe fest. 1000 Meter vor Rennende schüttelten ihn die Verfolger ab, manche hatten ihre Attacke allerdings zu früh geritten und fanden sich am Ende hinter dem LAVler wieder. Haumann wurde für seine kluge Renngestaltung mit Platz sieben in in 8:50,55 Minuten belohnt.

Maren Kibele, Jugend A, hatte mit der DM-Qualifikation über die 100 Meter Hürden bereits viel erreicht. Im Vorlauf hatte sie als Letzte in 15,44 Sekunden keine Chance auf die Zwischenrunde.

Nils Merten, Jugend A, hatte seine Endkampfhoffnungen eigentlich schon vor seinem Diskuswettkampf begraben müssen. Der Zehnkämpfer kann ja ganz ausgezeichnet 110 Meter Hürden rennen und hätte mit einem ausgezeichneten Lauf vielleicht sogar den Endlauf in Ulm erreicht, eine Oberschenkelverletzung vereitelte diesen Plan allerdings im Vorfeld. Also probte Merten in Ulm ohne Druck mit dem Diskus, mit 45,32 Meter und Platz 15 fiel das Ergebnis zufriedenstellend aus. Die große Aufführung wartet auf Merten ja Erst Ende August bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften – wenn der Oberschenkel bis dahin wieder geheilt ist.

Dominik Notz , Jugend B, erarbeitete sich bei seiner DM-Premiere über die 3000 Meter – sein viertes Rennen über diese Distanz überhaupt – eine weitere glänzende Arbeitsprobe für seinen Lauf-Lebenslauf. Zu Saisonbeginn hatte er die siebeneinhalb Stadionrunden in 9:14 Minuten zurückgelegt, in Ulm knackte er erstmals die Neun-Minuten-Grenze. In einem Rennen, in dem die Spitzenleute das Feld von Beginn an zerissen, fand Notz eine kleine Gruppe, machte im weiteren Verlauf mehrer Plätze gut und wurde am Ende ausgezeichneter Zehnter in 8:58,60 Minuten.

Otto Peetz, Jugend A, hatte Pech. Wenige Tage vor seinem Saisonhöhepunkt raubte ihm ein fiebriger Infekt viele Körner, bis zum Wochenende hatte er noch nicht wieder alle Kräfte beisammen gehabt. Peetz erschien trotzdem zum Start seines 1500-Meter-Vorlaufs, hielt sogar bis zur letzten Runde Kontakt zur Spitze. Als die Finalplätze verteilt wurden, meldete sich der Infekt dann doch zu Wort, Peetz ging mit 4:13,48 Minuten leer aus. In zwei Wochen will der A-Jugendliche bei den Süddeutschen Aktivenmeisterschaften beweisen, dass er die 1500 Meter ohne Infekt sehr viel schneller laufen kann.

Alisa Schuster, Jugend A, war stinksauer. Eigentlich hat sich die 18-Jährige zuletzt als Sechs-Meter-Springerin etabliert, in Ulm hätte das mindestens für Platz drei gereicht. Dann stimmte im Wettkampf plötzlich der Anlauf nicht mehr, somit trafen auch die Prognosen über den Ausgang des Wettbewerbs nicht ein. Statt Schuster gewann mit Tilia Udelhoven eine Siebenkämpferin, statt einer Medaille musste sich die LAVlerin mit 5,93 und Platz fünf begnügen.

Verena Tobis, Jugend B, hatte die Erwartungen nach Verletzungsproblemen im Vorfeld ein wenig gesenkt, der Rücken ließ einfach nicht genügend Trainingseinheiten zu. Im Wettkampf erfüllte Tobis die Erwartungen dann aber voll und ganz. Sowohl den Diskuswurf (38,45 Meter, Platz elf) als auch den Kugelstoß (11,74 Meter, Platz 15) fand Trainer Dorinel Andreescu „wirklich in Ordnung“.

Gregor Traber, Jugend A, war im 110-Meter-Hürdenfinale mit der höchsten Endgeschwindigkeit unterwegs. Der A-Jugendliche hatte jedoch einen Stotterstart erwischt, gerade, als Traber sich an die Spitze gesetzt hatte, blieb er an einer Hürde hängen. Ein ähnliches Missgeschick hatte Traber den Endlauf bei der U-20-WM in Kanda gekostet, „ich dachte, jetzt ziehen sie wieder alle vorbei“, sagte Traber. In Ulm zog dann aber niemand mehr vorbei, entsprechend laut war der Schrei, den der 17-Jährige nach 13,67 Sekunden im Ziel ausstieß. Einmal vor Freude, „meine Famile und viele Freunde waren da, den wollte ich was zeigen“, sagte Traber. Und dann vor Trotz, schließlich hatte der WM-Teilnehmer nicht nur die nationale Hackordnung bestätigt, sondern sich auch für sein Halbfinal-Aus von Kanada rehabilitiert. „Das war ganz wichtig, ich wollte mich unbedingt mit einem guten Gefühl in die Sommerpause verabschieden, so Traber.

Dorinel Andreescu, Cheftrainer der LAV, stellte der Tübinger Nachwuchsarbeit nach dem Saisonhöhepunkt für die meisten Teilnehmer gute Zwischennoten aus. „Da bewegt sich was“, befand Andreescu, womit nicht nur die zahlreichen Finalteilnahmen der DM-Starter gemeint waren. Der hauptamtliche Übungsleiter hat erfreut festgestellt, dass auch im Schülerbereich die nächsten Kandidaten sich für das Jugend-DM-Casting beworben haben. „Mein Glückwunsch an alle Athleten und meine Kollegen für die guten Leistungen“, sagte Andreescu.

Aktualisiert ( 12. 08 2010 )