Geschrieben von Alexander Mühlbach

Rene Stauß hört nach zweieinhalb Jahren als Cheftrainer der LAV Stadtwerke Tübingen auf. Leicht ist ihm der Schritt nicht gefallen – dabei war es die einzige logische Konsequenz.

Wenn man versucht Rene Stauß zu erreichen, dann kann man davon ausgehen, dass er gerade unterwegs ist. Auf dem Weg zum nächsten Training, zur Vorstandssitzung oder wieder Mal zu einem der über zwanzig Wettkämpfe, die er diese Saison mitgemacht hatte. „Ruf später nochmal an“, sagte Stauß dann immer. Nur, war er später leider wieder im Auto. Dieses Mal aber auf dem Rückweg.  

Und so passierte es in den letzten Monaten häufiger, dass Stauß seine Version der Geschichte immer während des Fahrens erzählte – was die Sache insgesamt noch interssanter machte. Denn von Sätzen wie „Ich kam gerade vom Ostheopaten zurück, jetzt kann ich auch ohne Schmerzen wieder Autofahren“ bis „Warte mal kurz, ich muss schnell das Auto da vorne überholen“ gab es am Telefon alles.

Ja, Rene Stauß war immer der Trainer gewesen, der viel unterwegs war. Dabei hat sich Stauß nicht nur selbst fortbewegt, sondern einen ganzen Verein. Innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre hat der LAV Cheftrainer zusammen mit den Trainern die gesamte Schülerleichtathletik neu strukturiert und für die Zukunft ausgerichtet, die Lücke zwischen Trainer und Vorstand gefüllt und seine eigene Zehnkampf Trainingsgruppe auf ein – zum Teil – nationales Konkurrenzniveau gehoben. Zudem holte die LAV Stadtwerke Tübingen unter seiner Regie in diesem Jahr zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die deutsche Teammeisterschaft.

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Und jetzt? Jetzt macht Stauß Schluss damit. Seit Ende August ist der Zehnkämpfer nicht mehr als Cheftrainer bei der LAV Stadtwerke Tübingen tätig. Stattdessen hat er eine Stelle beim württembergischen Leichtathletikverband angenommen, die direkt auf ihn zugeschnitten ist. Von einem auf den anderen Tag war Stauß also das Kapitel Tübingen abgeschlossen. Und man möchte sich nur fragen, geht das so einfach?

„Aus Tübingen selbst wegzugehen ist mir persönlich schon schwer gefallen“, sagte Rene Stauß, zwar wieder am Telefon, dafür aber innerhalb seiner eigenen vier Wände. „An der Uni hat es gut geklappt, ich hatte eine gute Wohnung und ich kam mit dem Verein wunderbar klar“, erklärte Stauß. Dennoch war es Zeit für einen Karrierewechsel.

Denn zum einen wird Stauß in ein paar Tagen seine Masterarbeit im Sportmanagement einreichen. Damit ist der Zehnkämpfer fertig mit dem Studium, ist auch nicht mehr an die Uni Tübingen gebunden und deswegen in der Wahl seines Arbeitsplatzes völlig frei.  

Zum anderen wollte Stauß unbedingt raus aus der Trainerschiene. Das läge auf jeden Fall nicht an seinen Athleten, sondern eher an den perspektivischen Aussichten. „Du hast als Trainer völlig verrückte Arbeitszeiten, wo du nur Abends um am Wochenende unterwegs bist“, sagte Stauß und gibt zu, dass das zwar im Moment richtig gut sei, aber für die Zukunft richtig beängstigend. „Ich habe mit Trainern geredet, die erst nach Hause kommen wenn ihre Kinder schon im Bett sind.“

Auch wenn die LAV Stadtwerke Tübingen die fünfzig Prozent Stelle in einen Vollzeitjob umgewandelt hätte, wäre Stauß nicht zu einer Vertragsverlängerung bereit gewesen. „Mir hat das Trainerdasein Spaß gemacht. Aber ich wollte mir das für die Zukunft nicht antun“, sagte Stauß.

Karriereschritt mit ungewisser Zukunft

Nun also der Job beim WLV. Als Bildungsrefernt wird Stauß dort vor allem dafür zuständig sein, die Aus- und Fortbildungen der Trainer und Athleten konzeptionell weiterzuentwickeln. Auch wird er sich um Projekte in der Kinderleichtathletik kümmern, die er schon zuvor mitbetreut hatte.

Dass Stauß letztendlich beim Landesverband landen würde, war schon vorher abzusehen. Ein paar Monate nach dem Abitur absolvierte er dort ein dreimonatiges Praktikum und in den letzten fünf Jahren war er sogar als Athletenvertreter im Präsidium unterwegs. Folglich wurde die Stelle exklusiv für Stauß geschaffen und nie für einen anderen Trainer ausgeschrieben. „Die wussten worauf sie sich einlassen und ich wusste worauf ich mich einlasse“, sagte Stauß.

Für zwei Jahre ist Stauß nun erstmal an den Landesverband gebunden. Wie es danach weitergeht, weiß Stauß noch nicht ganz. „Wenn es Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des WLVs gibt kann ich mir ganz gut vorstellen dort zu bleiben“, sagte Stauß. Aber auch ein Engagement in der freien Wirtschaft könne er sich vorstellen. Nur als Trainer in naher Zukunft wieder einzusteigen schließt der 27-Jährige aus. „Außer wenn ich meine aktive Karriere beende dann vielleicht“, sagte Stauß.

Sport ja, Trainer nein

Hinter der eigenen sportlichen Karriere steht hingegen kein Fragezeichen. Ein Karriereende stand für den aktuellen Deutschen Mehrkampfmeister nie zur Debatte. Warum auch? Ist Stauß momentan in der Verfassung seines Lebens. Das hat auch der WLV erkannt, der seine Arbeitszeiten vertraglich so geregelt hat, dass er auch in Zukunft auf höchsten Niveau trainieren kann. Und auch die LAV Stadtwerke Tübingen hat dem besten Zehnkämpfer in der Vereinsgeschichte die weitere finanzielle Unterstützung zugesichert. Somit wird Stauß auch ohne Cheftrainerposten weiterhin ein Tübinger bleiben. Stauß weiß das zu schätzen. „Die LAV ist zwar ein großer Verein und trotzdem geht es dort immer sehr familiär zu“, sagte er. „Das ist nicht überall so.“

Nur, glaubt Stauß nicht, dass er so oft wie in den alten Zeiten in Tübingen zum Training vorbeischauen wird. „Das muss sich alles erstmal einpendeln“, sagte Stauß. Vermutlich wird man ihn also bei einem Anruf nicht mehr so oft im Auto antreffen.

Und trotzdem kann man davon ausgehen, dass Stauß beim WLV in den nächsten zwei Jahren wieder eine Menge bewegen wird.