Geschrieben von Alexander Mühlbach

Mit 15 Medaillen war die LAV Stadtwerke Tübingen die erfolgreichste Mannschaft bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften - eine unglaublich geschlossene Teamleistung. Dennoch ragte eine Person besonders raus: die wohl beste Langsprinterin, die Tübingen seit Jahren gesehen hat. 

Es ist schon unglaublich, was Jackie Baumann in den letzten neun Monaten geleistet hat. Erst rannte sie über die 400-Meter Hürden deutsche U20 Jahresbestleistung. Dann wurde sie erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert und durfte gleich um den halben Globus zu den U20 Weltmeisterschaften nach Eugene fliegen. Und nun? Macht Baumann genau dort weiter wo sie im vergangen Jahr aufgehört hattte.

Dreimal schoss Jackie Baumann am Wochenende über die Sindelfinger Laufbahn. Dreimal stand sie auf dem Treppchen ganz oben. Mit nur 19-Jahren war die Langsprinterin die erfolgreichste Athletin bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften. "Ich finde dreimal Gold kann sich sehen lassen", sagte Baumann am Ende des langen Wochenendes. Aber nicht nur das kann sich sehen lassen, sondern auch die Art und Weise, wie sie sich die Medaillen erkämpft hat. Denn weder bei den 200 Metern, noch bei der Staffel oder den 400 Metern ging Baumann als Favoritin an den Start. Vor allem nicht bei den 400 Metern.

Denn dort startete Daniela Ferenz, die im letzten Jahr bei den deutschen Meisterschaften im Freien über 800 Meter starke zehnte wurde. In der Halle ist sie über die halbe Distanz immer besonders gut. Ihre Bestzeit steht bei 54,13 Sekunden. Baumanns Bestzeit stand bei 56,04 Sekunden - bis diesen Samstag. Denn dann flog Baumann so schnell über die Bahn wie noch nie. 54,72 Sekunden zeigte die Uhr am Ende an; momentan bedeutet das Platz zwei der deutschen Jahresbestenliste. "Ich hab schon gespürt, dass ich da etwas drauf hatte", sagte Baumann. "Aber dass gleich so ein Hammer kommt hätte ich nie erwartet." Daniela Ferenz hingegen musste sich knapp mit 54,8 Sekunden geschlagen geben. 

Es war der Beginn für ein richtig gutes Wochenende für die LAV Stadtwerke Tübingen.

Weitspringer landen ganz oben

Denn während Jackie Baumann am Samstag noch mit Ana Garcia-Fernandez, Mona Maier und Lisa Steinkamp in der 4x200 Meter Gold abräumte, zeigten sich auch die anderen Tübinger Athleten in Bestform. Allen voran die Weitspringer, die an diesem Wochenende beweisen, dass man von allem zurückkommen kann. Da gab es zum einen Fabian Heinle. Der sprang gleich im ersten Weitsprungwettkampf nach seiner schweren Verletzung im vergangen Jahr zu Gold. Und zwar völlig ungefährdet. Mit 7,64 Metern war Heinle besser als der zweitplatzierte Florian Oswald (TSG 1862 Weinheim). "Die Weite ist für den Anfang okay", sagte Heinle, der zugab am Anfang doch etwas nervös gewesen zu sein. "Aber die Sprünge waren technisch noch nicht so wie ich es mir vorstellte. Das wird aber über die Wettkämpfe noch kommen."

Und zum anderen gab es Lisa Steinkamp. Die machte mit einem Satz auf 6,30 Metern ebenfalls die Goldmedaille klar. Was im letzten Jahr noch als selbstverständlich gegolten hätte, ist in diesem Jahr als besonders zu bewerten. Lange hatte die 24-Jährige mit sich und ihrem Anlauf gehadert. Immer wieder traf sie den Absprungbalken nicht, was sie zu sogenannten Sicherheitssprüngen veranlasste. Das heißt sie sprang soweit vor dem Balken ab, dass sie gar nicht übertreten konnte. Die gute Nachricht ist, dass Steinkamp glaubt das Problem endlich in den Griff zu bekommen zu haben. Die nicht so gute Nachricht ist, dass sie auch am Samstag wieder einen Sicherheitssprung brauchte, um den Wettkampf zu überstehen. "Bei den ersten beiden Sprüngen hat eigentlich alles gepasst, auch vom Absprung her - nur waren die leider hauchdrünn drüber", sagte Steinkamp. Dann habe sie etwas Panik bekommen. "Also kam wieder so eine Sicherheitsgurke." Trotzdem sei sie mit der Weite zufrieden. "Ich denke die nächsten paar Male kann ich wieder sicheren an den Start gehen."

Stabhochspringerin Marie-Sophie Hindermann, Dreispringerin Elina Sterzing und Lennart Widmayer (Dreisprung, U20)  komplettierten die Goldsammlung der Springer an diesem Wochenende. Einzig und allein Rene Stauß dürfte mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden gewesen sein. Weil der eigentliche Favorit David Nopper (LAZ Salamander-Kornwestheim) ungewöhnlicherweise schwächelte und schon bei 2,05 Metern rausflog, war die Tür für die Goldmedaille weit aufgestoßen. Nur Benno Freitag (SSV Ulm 1856) war bei 2,08 Metern noch im Rennen. Dann leistete sich Stauß aber einen Fehlversuch mehr als Freitag bei dieser Höhe. Und da für Beide bei der höhe von 2,11 Metern Schluss war, gewann Freitag Gold vor Stauß.

Läufer rennen alles in Grund und Boden

Und trotzdem lässt sich das Wochenende mit insgesamt 15 Medaillen sehen. Auch aus läuferischer Sicht die gleich mit 9 Medaillen zum Tübinger Gesamterfolg beitrugen. Zu den zwei Goldmedaillen, die Baumann am Samstag gewann gesellte sich noch eine goldene der 4x200 Meter Männerstaffel dazu. Diese lief im Sindelfinger Glaspalast nämlich den Hausherren auf den letzten Metern den Rang ab. "Die Staffel war ein echtes Highlight", sagte Trainerin Isabelle Baumann. "Das war verdammt knapp!"

Aber auch auf den längeren Distanzen konnten die Tübinger mit den Besten des Landes mithalten. Jan Hoffmann gewann den 1500 Meter Lauf der männlichen U20 souverän in 4:01,40 Minuten. Und auch Lorenz Baum hätte es ihm beinahe bei den Männern gleich gemacht. Das Rennen war von Anfang an gleichmäßig. Erst auf den letzten 400m ging es richtig zur Sache. "Das war ein beinharter Fight", sagte Trainerin Isabelle Baumann. Baum kämpfte Seite an Seite mit Bors Rein (LV Pliezhausen 2012) um den Sieg, musste sich dann aber 50 Meter vor dem Ziel geschlagen geben. Trotzdem zeigt der Lauf die aufsteigende Form des 24-Jährigen. Immerhin war Rein zehnter über die 1500 Meter bei den deutschen Meisterschaften. Baum hatte sich letztes Jahr dafür erst gar nicht qualifiziert.

Am Sonntag trat dann noch LAV Neuzugang Alex Stern über die 800 Meter mit der Bronzemedaille in Erscheinung, bevor wieder die Sprinter übernahmen. Da sicherte sich Nils Merten völlig überraschend Gold über die 60m Hürden. 

Kurz darauf erlief sich Jackie Baumann im 200 Meter Rennen in 24,44 Sekunden noch ihre letzte Goldmedaille an diesem Wochenende. "Da war der Saft dann aber wirklich leer", sagte Baumann. 

Sie hatte alles gegeben. Genauso wie der Rest der Tübinger.


 Alle Ergebnisse der LAV Stadtwerke Tübingen:

60m Männer
8. Tobias Fluck - 7,04 Sekunden
Nils Merten - 7,22 Sekunden (Ausgeschieden im Vorlauf)

200m Männer
7. Luca Randazzo - 22,88 Sekunden

800m Männliche Jugend U20
3. Alexander Stern - 1:58,82 Minuten
4. Jan Haller - 1:59,41 Minuten (PB)
6. Robert Baumann - 2:00,92 Minuten (PB)

1500m Männliche Jugend U20
1. Jan Hoffmann - 4:01,40 Minuten
5. Jan Haller - 4:10,58 Minuten

1500m Männer
2. Lorenz Baum - 3:54,58 Minuten

3000m Männer
11. Simon Friedrich - 9:02,94 Minuten

60m Hürden Männer
1. Nils Merten - 8,30 Sekunden

Weitsprung Männer
1. Fabian Heinle - 7,64 Meter
7. Moritz Riekert - 6,98 Meter

Hochsprung Männer
2. Rene Stauß - 2,08 Meter

Dreisprung Männliche Jugend U20
3. Lennart Widmayer - 13,31 Meter

4x200 Meter Staffel Männer
1. LAV Stadtwerke Tübingen (Randazzo, Fluck, Stauß, Merten) - 1:29,21 Minuten

60m Frauen
5. Mona Maier - 7,66s (PB)

200m Frauen
1. Jackie Baumann - 24,44 Sekunden

400m Frauen
1. Jackie Baumann - 54,72 Sekunden

1500m Weibliche Jugend U20
3. Jessica Wunschmann - 5:03,39 Minuten

60m Hürden Frauen
Ana Garcia-Fernandez - 9,46 Sekunden (ausgeschieden im Vorlauf)

Weitsprung Frauen
1. Lisa Steinkamp - 6,30 Meter

Stabhochsprung Frauen
1. Marie-Sophie Hindermann, 3,70 Meter

Dreisprung Frauen
1. Elina Sterzing 13,01 Meter

4x200 Meter Staffel Frauen
1. LAV Stadtwerke Tübingen (Maier, Baumann, Garcia-Fernandez, Steinkamp) - 1:41,94 Minuten