Geschrieben von Alexander Mühlbach

Die Weitspringerin beendet nach einem Bandscheibenvorfall ihre Sportkarriere - mit gerade einmal 25 Jahren. Dabei hatte sich das Ende ihrer Zeit als Athletin schon etwas länger angekündigt.

Es ist still geworden um Lisa Steinkamp. Die Weitspringerin hat seit dem Sommer keinen einzigen Wettkampf mehr absolviert, selbst in der Halle nicht. Dort, wo sie immer am erfolgreichsten war. 2013 hatte sie in der Halle ihren ersten deutschen Meistertitel geholt, sie hatte in die Kameras gestrahlt, davon erzählt, wie es in ihrer Karriere weitergehen soll: einmal im Nationaltrikot starten, zur Europameisterschaften fahren, vielleicht sogar zu den Weltmeisterschaften, oder gar Olympia. Aber jetzt ist es still geworden um die Athletin der LAV Stadtwerke Tübingen. Viel zu still.

Steinkamp sagt in einer langen Mail, dass sie diese Ruhe gebraucht hatte. Sie wollte ihren Kopf freikriegen, sich Zeit geben, um sich in ihren neuen Masterstudiengang in Pforzheim einzugewöhnen. Vor allem aber, wollte sie sich Zeit lassen, bevor sie folgende Sätze wirklich tippt: „Die vielen Trainingseinheiten und Wettkämpfe werden mir definitiv fehlen.“ Oder: „Ich habe für mich erkannt, dass meine Motivation nicht ausreicht, um noch einmal anzugreifen.“ Und: „Diese Entscheidung hat viel Zeit und Nerven gekostet.“ Es sind Sätze, die eigentlich keine 25 Jahre alte Athletin schreiben sollte. Eigentlich hatte sie noch die Hälfte ihrer Karriere vor sich, hätte bestimmt noch irgendwann einmal den Sprung ins Nationaltriktot geschafft. Aber Lisa Steinkamp will nicht mehr. „Ich habe beschlossen meine Wettkampfkarriere zu beenden“, schreibt sie.

Ein Problem folgte auf das nächste

Steinkamp beteuert immer wieder, wie schwer ihr der Schritt fällt, den Sport, ihren Sport, sein zu lassen. Seitdem sie sechs ist war sie ja immer Teil einer Leichtathletik-Trainingsgruppe gewesen. Nun aber, wird sie ihre Trainingsgruppe – wenn überhaupt – nur noch von außen beobachten können. „Die Leichtathletik wird mir fehlen“, schreibt Steinkamp.

Es klingt ein wenig Wehmut, nach der Frage: was wäre gewesen, wenn? Es hätte ja alles so anders laufen sollen nach dem Gewinn der deutschen Hallenmeisterschaften vor drei Jahren. Nach einer Sommersaison mit einer Bestleistung von 6,58 Metern hatte sie noch betont, dass sie sich unbedingt für die Europameisterschaften 2014 in Zürich qualifizieren möchte. „Ich weiß, dass ich das kann“, sagte sie damals. Aber dann folgte ein Problem auf das nächste.

Sie hatte ihren Anlauf umgestellt, um schneller abzuspringen, um folglich weiter zu fliegen. Stattdessen aber verfehlte sie dabei häufig das Absprungbrett, musste immer wieder Sicherheitssprünge einbauen, um überhaupt in der Ergebnisliste aufzutauchen. Selten war Steinkamp mit ihren Weiten zufrieden, die ganze Situation nagte an ihrem Selbstvertrauen und an ihrer Zuversicht. Bei den deutschen Meisterschaften wurde sie zwei Jahre in Folge letzte.

Und trotzdem war Steinkamp damals eine von den Athletinnen, die immer sagte: „Das wird wieder.“ Oder: „Das nächste Mal wird es bestimmt besser.“ Dass sie schon lange keinen Spaß mehr an ihrem Sport hatte verschwieg sie. Bis im Herbst des vergangenen Jahres der Bandscheibenvorfall kam – und ihre Stimmung endgültig kippte. „Als sich die Schmerzen immer weiter zogen, und mir mein Alltagsleben erschwerte, begann ich meinen Sport in Frage zu stellen“, sagt Steinkamp. Es war der Anfang vom Ende. Es war der Grund, warum es still um sie still wurde. „Meine Prioritäten haben sich in Richtung Studium und Beruf verschoben“, erklärt Steinkamp.

Dafür wünscht die LAV Stadtwerke Tübingen Lisa Steinkamp nur das Beste.