Geschrieben von Lisamarie Haas

Während sich das Jahr 2020 dem Ende zuneigt, hat für die Athleten der LAV Stadtwerke Tübingen bereits die Vorbereitung auf das kommende Jahr begonnen. Weil Leichtathletik eine Individualsportart ist, können einige Sportler aktuell in Zweierteams trainieren. Die LAV hat die Verträge mit den Top-Athleten Gregor Traber, Hanna Klein, Robert Baumann, Timo Göhler, Katja Fischer und Lorenz Baum verlängert. Die Athleten werden auch im kommenden Jahr im blauen Trikot der LAV Stadtwerke Tübingen an den Start gehen. Die Corona-Pandemie wird voraussichtlich auch im Jahr 2021 die Wettkämpfe und das Training der Athleten beeinflussen. Welche Wettkämpfe wie stattfinden werden, ist aufgrund der hohen Infektionszahlen bislang schwer abzuschätzen. Die Olympischen Spiele in Tokio sind trotzdem weiterhin ein klares Ziel für 110m-Hürden-Spezialist Gregor Traber.

Für ihn ist das Ziel das Finale der Olympischen Spiele: "An meinem großen Traum hat sich nichts geändert. Das Wettkampf-Gen in mir schlummert ja nur und wird, sobald es gilt, voll wieder ausbrechen", sagte er im Interview mit dem Reutlinger General-Anzeiger. 2016 war er nur zwei Hundertstel an der Qualifikation fürs Finale vorbeigeschrammt. "Ich bin jetzt im besten Hürdenalter", sagt der 28-Jährige. "Jetzt kommt auch meine Erfahrung von über 10 Jahre Hürden mit ins Spiel." Traber hat sich im August einer Knie-OP unterzogen. "ich hoffe, dass ich nach der Operation jetzt auch wieder 100 Prozent belastbar bin. Ich bin sehr zuversichtlich für 2021." Seine Bestzeit aus dem Jahr 2016 (13,21 Sekunden) wolle er angreifen - dafür sei aber besonders wichtig, dass er gesund bleibe. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass auch 2021 die Olympischen Spiele nicht ausgetragen werden könnten, bleibt Gregor Traber zuversichtlich. "Im Moment versuche ich, wenig oder keine Zweifel in Bezug auf Olympia an mich herankommen zu lassen und mich auf den Sport zu konzentrieren. Auch wenn eine gewisse Leichtigkeit fehlt angesichts der Umstände, so denke ich jetzt nicht über eine erneute Absage nach, sondern daran, dass ich unbedingt nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen etwas auf die Bahn zaubern will", sagte Traber dem GEA. Beruflich strebt Gregor an, sein Studium im kommenden Jahr zu beenden. 

Für 1500-Meter-Läuferin Hanna Klein wäre eine Olympiateilnahme „etwas vollkommen Neues und Wünschenswertes“. Für sie wäre es der erste Start bei Olympia. „Ich weiß aber, dass dafür noch viel zu tun ist. Ich habe hier ein gutes Trainingsumfeld und es macht gerade einfach Spaß zu merken, dass man sich weiterentwickelt und das Training Früchte trägt“, sagt die Läuferin, die sich aktuell auf ihre zweite Saison im Tübinger Trikot vorbereitet. „Wettkämpfe sind das i-Tüpfelchen des Ganzen, natürlich träume auch ich wieder von vollgefüllten Stadien und Normalität, ob das wirklich so passieren wird, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“ Hallenwettkämpfe seien trotzdem eingeplant: „Ich möchte einfach zeigen, dass ich schnell laufen kann.“

Dieses Jahr hat Hanna Klein ihren Master in Psychologie abgeschlossen und für das kommende Jahr liegt ihr Fokus auf dem Sport: „Viel wird sich im kommenden Jahr nicht verändern, ich versuche weiter mein Bestes zu geben und das ein oder andere Trainingslager, falls möglich, mitzunehmen. Beruflich werde ich schauen, was sich nach diesem Jahr ergibt.“

In die direkte Vorbereitung auf das Staatsexamen geht im kommenden Jahr Robert Baumann, der in München Jura studiert. „Die Examensvorbereitung wird ein Jahr dauern und das komplette kommende Jahr einnehmen.“ Seine Ziele für 2021 beschreibt Robert als „ziemlich ambitioniert“. Das Training laufe gut: „Ich habe das Gefühl, ich bin einen deutlichen Schritt weiter in der jetzigen Phase der Vorbereitung. Für mich ist ganz klar, dass ich nächstes Jahr in Deutschland auf jeden Fall voll mitspielen will.“ Besonders bei der Universiade (Chengdu, China – 18- bis 29. August 2021) möchte er starten. „Alles andere ist schwierig abzuschätzen, wie es so läuft. Es hängt auch davon ab, welche Rennen es gibt und ob man in die Rennen dann reinkommt, weil schnelle Zeiten sehr abhängig sind von schnellen Rennen“, sagt Robert.

Für den Winter plant er, noch ein schnelles Rennen über 10 Kilometer auf der Straße zu laufen und möchte dabei unter 30 Minuten bleiben. „Ich denke das sollte ziemlich gut möglich sein und möchte einfach schauen, wie weit ich unter die 30-Minuten-Marke komme.“ Über seine Paradestrecke, die 3000 Meter Hindernis, möchte sich Robert Baumann noch einmal deutlich steigern, eine Zeit um die 8:30 Minuten peilt er kommendes Jahr an. „Einfach weil man mit so einer Zeit in Deutschland in jedem Rennen eine große Rolle spielt und weil man dann auch in Europa überall mitlaufen kann.“ Die deutsche Spitze ist damit sein ausgewiesenes Ziel: „Ich glaube, ich komme jetzt in eine Phase in der es wichtig ist, mich nicht nur vereinzelt sondern relativ stabil in der deutschen Spitze zu etablieren.“ Auch über 5000 Meter auf der Bahn plant er einen ersten Start, falls der Wettkampfkalender es zulässt.

Das Hauptziel für das Jahr 2020 war für Lorenz Baum vor dem Ausbruch der Berlin-Marathon. Da dieser und auch alle anderen großen Marathonläufe in diesem Jahr ausgefallen sind, konnte Baum das 2020 nicht in die Tat umsetzen. „Das möchte ich 2021, wenn Corona es zulässt, auf jeden Fall machen“, sagt er. Im Herbst soll es für ihn dann wieder auf die längste olympische Distanz der Läufer gehen. Bis dahin plant der Elektriker, der eine Weiterbildung zum Elektrotechniker macht, auch auf den kürzeren Strecken an den Start zu gehen. „In der Halle möchte ich auch gerne 1500 Meter oder 3000 Meter laufen und auch einen oder zwei Alb-Gold-Läufe machen.“ Geplant seien auch die Deutschen Meisterschaften im Crosslauf und dann ein Halbmarathon im Frühjahr. „Wenn es die DM im Halbmarathon kommendes Jahr gibt, möchte ich dort mit der Mannschaft eine Medaille holen“, sagt Lorenz Baum. Aber auch auf der heimischen blauen Bahn in Tübingen möchte er an den Start gehen: „Ich hoffe auf das Soundtrack und dass dort nach 2018 wieder schnelle Zeiten gelaufen werden. Aber vor allem hoffe ich das wir bald wieder in einer großen Gruppe zusammen trainieren können.“

Timo Göhler freut sich schon jetzt, nach einer kurzen Saisonpause, auf das kommende Jahr. „Ich hoffe, dass es durch die Verfügbarkeit von Impfstoffen so langsam wieder zurück zur Normalität geht und wir Athleten die Chance auf hochkarätige Wettkämpfe haben“, sagt er. Für ihn werde es auch darum gehen, an seine Bestleistungen aus dem Jahr 2018 anzuknüpfen, als er die EM-Norm über 10.000 Meter erreicht hatte. „Durch das schwierige Jahr 2020 freue ich mich natürlich enorm über Wettkampf-Möglichkeiten in 2021 und dementsprechend motiviert bin ich auch. Ich motiviere mich sehr über festgelegte Ziele.“ Beruflich wird Göhler auch im kommenden Jahr vom Sponsor Synovo GmbH unterstützt. „Insbesondere wird es 2021 darum gehen, sich gut für das wichtige Jahr 2022 mit der Europameisterschaft in München aufzustellen. Ich denke, dass sich nächstes Jahr dann zeigen wird, wo man für das Jahr 2022 steht.“

Dabei hofft Timo Göhler auf einen Motivationsschub nach dem schwierigen Jahr 2020. „Ich denke, dass das wieder einen ganz neuen Spaß und Motivation an der Sache entfacht und dadurch die guten Leistungen sich irgendwann einstellen werden.“

Für Katja Fischer hat sich beruflich schon in diesem Jahr einiges verändert. Seit Oktober arbeitet sie in einer Hausarztpraxis in Balingen, in der sie den nächsten Schritt auf dem Weg zur Fachärztin für Allgemeinmedizin machen möchte. „Im Vorhinein hatte ich noch das Pendeln als größte zeitraubende Herausforderung daran gesehen, nun haben sich natürlich durch die Pandemie auch hier unsere täglichen Herausforderungen deutlich gewandelt. Als Corona-Schwerpunktpraxis sowie zusätzlich in der Corona-Ambulanz Zollernalb gibt es als Ärztin aktuell ordentlich zu tun“, erzählt sie.

Besonders die die deutschen Meisterschaften über 5000m und 10.000m auf der Bahn und auch auf der Straße über 10km und im Halbmarathon stehen für Katja Fischer im kommenden Jahr im Fokus. Auf diesen Strecken strebt die Ärztin Bestzeiten an, „um dadurch ein möglichst gutes Ausgangsniveau für 2022 zu schaffen, wo es dann nicht zuletzt mit der Heim-EM in München ein absolutes Top-Ziel gibt“. Dabei hoffe sie, dass im kommenden Jahr wieder etwas mehr Normalität einkehre. „Aber wenn wir eins durch 2020 gelernt haben, dann dass “Normalität” nicht selbstverständlich ist und wir genau das so bewusst wertschätzen sollten, wann immer wir dazu in der Lage sind.“