Geschrieben von Hanna Gröber

„Das Besondere in diesem Jahr war, dass nichts mehr selbstverständlich war“, fasste Hanna Klein die Herausforderungen, aber auch die schönen Momente des Jahres 2020 zusammen. Irgendwann stand hinter allen Dingen, die das Leben der Läuferin prägen, ein großes Fragezeichen. Selbst das tägliche Training war teilweise nur eingeschränkt möglich, und die Absage der Europameisterschaften in Paris empfand die Mittelstrecklerin als absoluten Tiefpunkt. Trotzdem blickt die Läuferin vorwärts: „Ziele fielen weg, neue Ziele mussten gefunden werden. Ich bin dankbar, dass wir die Trainingsstruktur dank kreativer Lösungen von Isabelle aufrechterhalten konnten und ich bin in einer solchen Saison trotzdem nahe an meine PBs herangelaufen, beziehungsweise konnte mich über 3000m sogar inoffiziel verbessern. Ich kann daher doch versöhnlich mit dieser Saison abschließen.“

Jackie Baumann, die wohl in vielerlei Hinsicht die außergewöhnlichste Saison ihres Lebens hinter sich bringen musste, pflichtete der Teamkameradin bei. Sie fand nach ihrem unerwarteten Rücktritt im Juli Unterstützung durch den großen Zusammenhalt der sportlichen Community und im Team der LAV: „Alle haben versucht, sich trotzdem gegenseitig zu unterstützen. Die Situation war und ist sicherlich eine Herausforderung für die gesamte Menschheit, aber ich hoffe, dass wir gemeinsam gestärkt daraus hervorgehen können.“

Auch Lorenz Baum hatte viel Pech mit abgesagten Straßenrennen und Highlights in diesem Jahr, dafür aber auch die Möglichkeiten, andere Herausforderungen anzugehen. Höhepunkte waren für ihn der wohl letzte größere Wettkampf vor dem Lockdown im Frühjahr, die Schlammschlacht bei der Cross-DM in Sindelfingen mit großem Team, ebenso wie eine 210-Kilometer Radtour mit Teamkamerad Peter Obenauer. So gelang es auch Baum, die Enttäuschungen über Absagen wie die 10,000m- DM und den Marathon in Berlin zu überwinden und positiv ins neue Jahr zu blicken: „Ich glaube fest daran, dass es im nächsten Jahr wieder mehr Wettkämpfe geben wird!“

Die junge Mittelstrecklerin Janina Ruf hat die Cross-DM im März ebenfalls in sehr guter Erinnerung. „Danach folgte lange Zeit allerdings nur einsames Training im Wald. Kein Bahntraining, kein Trainingslager in Italien, keine Wettkämpfe in Sicht“, beschrieb die junge Läuferin diese ungewisse Zeit. Und obwohl es dann auch im Sommer lange Zeit nicht so richtig laufen wollte, konnte Ruf in ihrem letzten U20-Jahr bei der Jugend-DM in Heilbronn mit einem 7. Platz doch noch eine durchweg schwierige Corona-Saison zufriedenstellend beenden.

„Diese Saison war für mich die Beste und Schlechteste zugleich“, kommentierte Michi Wörnle sein Laufjahr, welches wie kein anderes zwischen den Extremen lag. Mit PB beim Nikolauslauf und Vizemeisterschaft bei der Hochschul-DM startete das Jahr vielversprechend für den Läufer, nur um dann aufgrund einer langwierigen Verletzung in 2 Monaten an Krücken zu münden. Daher war für ihn die schönste Erfahrung in diesem Jahr, nach einer langen Verletzungspause endlich wieder Sport machen zu dürfen.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Silvan Rauscher. Der Hindernisspezialist musste ganz ohne Rennen in seiner Lieblingsdisziplin auskommen und sein letztes U23-Jahr ohne DM-Teilnahme beenden. Mit einem langen Infekt und Problemen am Weißheitszahn begann 2020 für ihn alles andere als vielversprechend und die COVID- Pandemie machte alle Sommerplanung zunichte. Spontan konnte Rauscher dafür -im Training- seine 800m-Bestzeit auf unter 2 Minuten schrauben und sich im Herbst bei einem der wenigen offiziellen Rennen über 10km stark verbessern.

In guter Erinnerung hat auch Nachwuchsathlet Ben Schlichter die vereinsinternen Trainingswettkämpfe im Frühjahr. „Die Stimmung war super, und nur gegen die eigenen Vereinsmitglieder zu laufen war etwas ganz Besonderes“, blickt der Mittelstreckler auf die ersten Time Trials im Juni nach dem langen Lockdown zurück. Die Bestzeit war für ihn dann auch der Lohn, nach einer mental schwierigen Trainingszeit ohne Teamkameraden im Frühjahr. Ähnlich sah auch Julius Ulrich die ersten Testwettkämpfe in der Gruppe, die für ihn durch das besondere Gemeinschaftsgefühl geprägt wurden, auch wenn es ihm schwerfiel, sich wirklich auf die Rennen in diesem Jahr einzulassen. „Für mich war die Alltagsstruktur, die mir der Sport und dann auch wieder die Gruppentrainings gegeben haben, sehr hilfreich in Zeiten von Corona!“

Auch für Hanna Gröber waren es vor allem wieder die ersten gemeinsamen Gruppentrainings und Testwettkämpfe, die in besonderer Erinnerung geblieben sind. „Ich bin einfach mit fast kindlicher Freude ins Training gekommen. Viele sonst so selbstverständliche Dinge wie Bahntrainings und Wettkämpfe waren plötzlich wieder etwas ganz Besonderes.“ Das Highlight war für die Studentin in diesem Jahr nach so vielen gecancelten Rennen eine Teilnahme an der DM in Braunschweig, zwar ohne Zuschauer aber dafür in fast „familiärer Atmosphäre“. Da konnte ihr auch Katja Fischer nur beipflichten, die sich nach einem starken Ergebnis in Valencia und folgender langer Verletzung im Winter erst wieder zurückkämpfen musste. Dann errichte sie in einem starken 5000m-Rennen bei der DM gleich wieder eine Top10- Platzierung. „Das war definitiv ein sehr motivierendes Gefühl! Schwierig war vor allem auch die Unplanbarkeit der Wettkämpfe und die große Ungewissheit, ob die anvisierten Rennen stattfinden würden. Dabei nicht den Fokus zu verlieren, war definitiv eine große Herausforderung.“

Viktoria Mancho sah ihren Start bei der Cross-DM ebenfalls als Highlight eines durchwachsenen Jahres: „Die ganze Strecke war ein einziger Morast und man konnte froh sein, mit beiden Spikes ins Ziel zu kommen. Aber es war toll mit, einer Mannschaft ins gemeinsam an der Startlinie zu stehen!“ Neben der Corona-Pandemie hatte die Studentin auch mit Eisenmangel zu kämpfen, blickt nun aber nach erfolgreicher Therapie positiv auf das nächste Jahr mit neuen Chancen. Auch Theo Haug erinnert sich nach einem guten Trainingswinter gerne an die Schlammschlacht von Sindelfingen und das gute Mannschaftsergebnis der Cross-DM. „Schwierig war es dann, so fit zu sein wie nie und weder zu Wettkämpfen noch ins Trainingslager fahren zu können.“

Dagegen sah Mittelstreckler Björn Juschka die Cross-DM in Sindelfingen eher als eine besondere Herausforderung des Jahres und erinnert sich lieber an Tempotrainings mit vielen Partnern im Sommer, nachdem diese so lange nicht möglich waren oder an den großen Teamausflug der LAV zum 10km-Rennen in Regensburg. Mit einem Schmunzeln ergänzte er noch: „Generell war jeder TDL mit Peter (Obenauer) ein Highlight!“

Langstrecklerin Anais Sabrié hate durch COVID persönlich und sportlich mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Nach Absage ihres geplanten Marathon-Debüts und fast aller angepeilten Wettkampfhighlights im Frühjahr und Sommer musste sie in weiten Teilen alleine und mit ungewissen Zielen während ihres praktischen Jahrs in Friedrichshafen trainieren. Dankbar war sie für ein tolles Elite-Rennen in beim berühmten Berglauf in Sierre Zinal, wo sie einen hervorragenden 2. Platz erreichte und sich für die Trail-WM qualifizierte. Obwohl das WM- Etappenrennen dann nicht nach Plan verlief, ist die Deutsch-Französin trotzdem dankbar, dass sie diese Erfahrungen machen konnte.

„Natürlich war das Jahr insgesamt eine große Herausforderung“, beschrieb Trainerin Isabelle Baumann eine absolut außergewöhnliche Saison im Rückblick. „Allerdings haben die großen Einschränkungen auch gezeigt, wie motiviert alle Athletinnen und Athleten durchweg beim Training dabei waren und trotz aller Umstände immer weiter gemacht haben. In der Summe war dies für mich wirklich das Schönste in diesem Jahr!“, zog die Trainerin dennoch ein positives Fazit eines besonderen Jahres. Begeistert zeigte sie sich auch von den Erlebnissen bei der Hallen-DM mit einem Doppelsieg von Hanna Klein und Bestzeit von Robert Baumann, wie auch bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig, bei dem sowohl Hanna Klein als auch Hanna Gröber starke Einzelrennen zeigten. „Das waren zwei wirklich schöne Wochenenden!“.

„Was mir auch einfach gut gefallen haben waren die ersten Time Trials, bei dem so viele Athletinnen und Athleten mutige und starke Rennen gelaufen sind, die eigentlich gar keine richtigen Wettkämpfe waren“, erinnert sich Baumann mit einem Lächeln an die ungewöhnliche Situation in Frühjahr zurück. Persönlich war der Rücktritt Jackies vom Wettkampfsport natürlich schwierig für Baumann. „Zu akzeptieren, dass sie mit einem solchen Niveau keine Rennen mehr laufen möchte war nicht einfach. Aber es ist toll zu sehen, wie sie nun als Trainerin die Athleten mitnehmen und begeistern kann! Daher war es sicherlich die richtige Entscheidung“, reflektierte die Trainerin das turbulente Jahr. Angetan war sie vor allem von dem starken Zusammenhalt der Läufergruppe auch während dieser schwierigen Zeit und auch wie gut die Organisation des Trainings letztlich doch geklappt hat. „Allerdings hoffe ich wirklich für die Athleten, dass das nächste Jahr wieder mehr Normalität in den Trainings- und Wettkampfalltag bringt!“